Viele Wege führen nach Berlin

Berlin, Berlin … und Cirque du Soleil ALIZÉ

Die Tickets für Cirque du Soleil ALIZÉ gab es zu Weihnachten – und damit stand unser Ziel fest: Berlin! 

Da wir aber ganze zehn Tage Zeit hatten, beschlossen wir, ganz gemütlich mit dem Womi Richtung Berlin zu bummeln und uns unterwegs noch ein bisschen umzuschauen.Wie immer hatte ich bei der Reisevorbereitung auf Google Maps ein paar interessante Ziele herausgesucht. Einen festen Reiseplan gibt es bei uns trotzdem nicht. Wir schauen einfach von Tag zu Tag, worauf wir Lust haben, und entscheiden spontan, wo es als Nächstes hingeht.

Weimar

Unser erstes Ziel war Weimar. Der Wohnmobilstellplatz bietet einige wenige Plätze mit Strom – wer einen davon ergattern möchte, sollte allerdings früh vor Ort sein. Ansonsten heißt es: autark stehen.

Sehr praktisch fanden wir die Lage direkt gegenüber vom Freibad. Dort können Wohnmobilreisende für 2 Euro duschen – nach einer ausgiebigen Wanderung oder der einen oder anderen Lost-Place-Tour.  Zunächst aber wollten wir uns Weimar anschauen.

Die Stadt ist wie kaum eine andere mit deutscher Kultur und Geschichte verbunden. Hier lebten und wirkten unter anderem Goethe und Schiller, Herder und Wieland sowie die Maler Lucas Cranach der Ältere und Lucas Cranach der Jüngere. Auch das Bauhaus nahm in Weimar seinen Anfang, und die Stadt ist eng mit der Entstehung der Weimarer Republik verbunden.

Besonders gut gefallen hat uns die wunderschön erhaltene und liebevoll restaurierte Altstadt. Kleine Gassen wechseln sich mit großzügigen Plätzen ab, und überall findet man nette Cafés und Restaurants, die dazu einladen, einfach mal sitzen zu bleiben und das Treiben zu genießen.

Am folgenden Tag ging es ganz in der Nähe zu einem Lostplace "Schloss Rodberg" und auf dem weiterne Weg zu Schleusenruine Wüsteneutzsch.

Ferropolis

Nachdem wir die etwas deplatziert wirkende Schleuse umrundet hatten, fuhren wir weiter nach Gräfenhainichen, um uns die Eisenstadt „Ferropolis“ anzuschauen.

Auf dem ehemaligen Gelände des Braunkohletagebaus Golpa-Nord stehen heute drei riesige Bagger und zwei gewaltige Absetzer. Einst waren diese gigantischen Maschinen im Tagebau im Einsatz, heute bilden sie als Industriedenkmal die beeindruckende Kulisse von Ferropolis – und gleichzeitig einen außergewöhnlichen Veranstaltungsort.

Zwei der Bagger kann man sogar teilweise betreten. Wenn man direkt davor oder mittendrin steht, bekommt man erst ein Gefühl für die unglaublichen Dimensionen dieser Maschinen.

Uns haben die riesigen Geräte jedenfalls mächtig beeindruckt. Und wenn ich mir das Ganze dann noch als Kulisse für ein Konzert vorstelle … da kommen schon Wünsche auf. 

Anschließend war wieder ein Lostplace, ein verlassenes Pflegeheim, bei Mellensee auf dem Plan. 


Wünsdorf - die verbotenen Stadt

Wünsdorf, heute ein Ortsteil von Zossen, war während des Zweiten Weltkriegs ein bedeutender Standort der deutschen Militärführung. Im dortigen Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres wurden zahlreiche militärische Operationen geplant und koordiniert, darunter auch der Überfall auf Polen.

Das streng abgeschirmte Militärgelände wurde zur „Verbotenen Stadt“. Große Teile der Anlagen entstanden unterirdisch, während oberirdische Bauten teilweise so gestaltet und getarnt wurden, dass sie aus der Luft möglichst unscheinbar wirkten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die sowjetische Armee das Gelände. Teile der Anlagen wurden zunächst gesprengt, andere später weitergenutzt. Während des Kalten Krieges entwickelte sich Wünsdorf zu einem der wichtigsten Standorte der sowjetischen Streitkräfte in der DDR.

Noch heute stößt man bei einem Spaziergang durch Wünsdorf auf zahlreiche Spuren dieser Vergangenheit. Einige der alten Winkelbunker sind bereits von außen zu sehen. Wer jedoch tiefer in die Geschichte der „Verbotenen Stadt“ eintauchen und die erhaltenen Anlagen von innen besichtigen möchte, muss eine der angebotenen Führungen buchen.

Wir entschieden uns für die Führung durch den Bunker Zeppelin und die Maybach-Anlagen – und machten uns auf den Weg in den Untergrund.

Berlin Tempelhof

Flughafen Tempelhof – hinter den Kulissen

In Berlin führte uns einer unserer Ausflüge zum Flughafen Tempelhof. Dort hatten wir die Führung „Verborgene Orte“gebucht, bei der wir einen spannenden Blick hinter die Kulissen des ehemaligen Flughafens werfen konnten.

Neben der beeindruckenden Abfertigungshalle ging es dabei auch in Bereiche, die man als normaler Besucher nicht zu sehen bekommt. Unterwegs erfuhren wir einiges über die wechselvolle Geschichte des Flughafens und seine Rolle während des Kalten Krieges – unter anderem über die Aktivitäten der Amerikaner und die Spionagegeschichte rund um die CIA.

Passend dazu wurde uns während der Führung noch ein Besuch des Teufelsbergs ans Herz gelegt. Den Tipp hätten wir allerdings gar nicht gebraucht, denn der stand sowieso schon auf unserer Liste und sollte unser nächstes Ziel werden. 

Berlin Teufelsberg

Teufelsberg – vom Spionageposten zur Street-Art-Galerie

Auf dem heutigen Teufelsberg sollte während der NS-Zeit eine Wehrtechnische Fakultät entstehen. Der Bau wurde jedoch nie fertiggestellt. Nach dem Krieg wurden die Überreste nicht abgerissen, sondern unter Millionen Kubikmetern Trümmerschutt des zerstörten Berlins begraben – so entstand nach und nach der heutige Teufelsberg.

Während des Kalten Krieges nutzten vor allem die Amerikaner und Briten die besondere Lage des Berges und errichteten hier eine große Abhörstation. Mit ihren markanten weißen Radarkuppeln prägte sie das Bild des Teufelsbergs. Von hier aus wurde der Funkverkehr des Warschauer Paktes abgehört und ausgewertet.

Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor die Anlage ihre Bedeutung und wurde Anfang der 1990er-Jahre aufgegeben. Zurück blieb ein faszinierender Lost Place, der mit der Zeit auch Graffiti- und Street-Art-Künstler anzog.

Heute sind die ehemaligen Gebäude und die weithin sichtbaren Radarkuppeln selbst zur Attraktion geworden. Auf dem Gelände hat sich eine riesige Street-Art-Galerie entwickelt, in der es an nahezu jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gibt.

Für uns war der Teufelsberg damit eine spannende Mischung aus Geschichte, Lost Place und Kunst – genau die Art von Ort, die natürlich auf unserer Liste nicht fehlen durfte. 

Berlin, Berlin...

Der Stellplatz am Gesundbrunnen war bei unserer Ankunft leider schon voll und geschlossen. Also suchten wir uns für die erste Nacht kurzerhand eine einfache Parkmöglichkeit am Straßenrand.

Am nächsten Morgen versuchten wir unser Glück noch einmal – und tatsächlich bekamen wir ein Plätzchen auf dem Wohnmobilstellplatz.  Der Platz selbst ist wirklich nichts Besonderes, bietet aber alles, was man braucht: Strom, sanitäre Anlagen in einem Container sowie Ver- und Entsorgung. 

Da dies nicht unser erster Besuch in Berlin war, hatte ich mir dieses Mal ganz bewusst einige Orte herausgesucht, die wir noch nicht kannten. So führte uns unser Weg zunächst ins kleine Nikolaiviertel, wo wir in einem herrlich altmodischen Lokal bei Kaffee und Kuchen eine gemütliche Pause einlegten.

Am Abend stand dann endlich der eigentliche Anlass unserer Berlin-Reise auf dem Programm. Es ging zum Potsdamer Platz und anschließend ins Theater zu Cirque du Soleil ALIZÉ. Uns erwartete eine großartige Vorstellung, die uns für ein paar Stunden in eine fantastische Traumwelt entführte. Ein wunderschöner Abend – und die Vorfreude auf unser Weihnachtsgeschenk hatte sich definitiv gelohnt!

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Friedrichshain. Der Stadtteil mit seiner ganz eigenen Atmosphäre und der vielen, teilweise wirklich beeindruckenden Street Art hat uns richtig gut gefallen. Besonders sehenswert fanden wir das RAW-Gelände und natürlich die East Side Gallery.

Irgendwann meldete sich allerdings der Hunger – und auch unsere Füße waren der Meinung, dass es langsam Zeit für eine Pause wäre. Also ging es über die Oberbaumbrücke hinüber nach Kreuzberg und zur Markthalle Neun. Dort arbeiteten wir uns ein wenig durch die verschiedenen Streetfood-Angebote. 

Abschließend machten wir eine Rundfahrt auf der Spree – sehenswert, interessant und vor allem erholsam.