Roadtrip bis Bergen

Norwegen – drei Wochen und ein Plan

Für unsere Tour durch Norwegen haben wir knapp drei Wochen Zeit.

Also habe ich vorher eine Route geplant. Schließlich wollen wir die Zeit gut nutzen und trotzdem nicht jeden Tag nur im Womi sitzen.

Soweit der Plan. 

Was mir bei der Planung allerdings noch nicht ganz klar war: In Norwegen bedeutet eine überschaubare Entfernung auf der Karte noch lange nicht, dass man mal eben schnell von A nach B fährt.

Da kommen Umwege, unzählige Tunnel, Fähren und Straßen dazu, auf denen man sowieso nicht besonders schnell unterwegs ist.

Schon nach kurzer Zeit wird uns klar:

Unser Reiseplan ist eher eine grobe Empfehlung als ein festes Programm.

Aber genau dafür sind wir ja mit dem Womi unterwegs – wenn es irgendwo schön ist, bleiben wir. Und wenn die geplante Route nicht funktioniert, wird sie eben geändert. 

Tips

Norwegen – ein bisschen Vorbereitung muss sein

Bevor es losgeht, gibt es allerdings noch ein paar Dinge zu klären.

Wie kommen wir überhaupt nach Norwegen? Über Dänemark und die Brücken oder doch lieber mit der Fähre? Möglichkeiten gibt es einige – und gerade in der Hauptsaison lohnt es sich, die Überfahrt rechtzeitig zu planen und gegebenenfalls zu buchen.

Auch beim Womi müssen wir vorher ein bisschen Hausaufgaben machen. Was dürfen wir an Lebensmitteln mitnehmen? Wie funktioniert die Maut? Und gibt es sonst noch etwas, das wir vor der Einreise wissen sollten?

Gerade bei Lebensmitteln, Alkohol und Tabak gelten in Norwegen besondere Einfuhrbestimmungen. Deshalb informieren wir uns lieber vor der Abfahrt noch einmal über die aktuell geltenden Regeln.

Und dann wäre da noch das Thema Preise. Norwegen ist nicht gerade als Schnäppchenparadies bekannt. 

Also Vorräte sinnvoll planen, Maut klären, Anreise organisieren – und dann kann es endlich losgehen.

Der Plan geht zum ersten Mal schief

Unser Plan ist eigentlich ganz einfach: Von Hirtshals in Dänemark wollen wir mit der Fähre nach Kristiansandübersetzen.

Vorgebucht haben wir bewusst nicht. Schließlich wollen wir flexibel bleiben.

Tja – Flexibilität kann auch nach hinten losgehen.

Am Montagmittag stehen wir in Hirtshals und erfahren: Die nächste freie Fähre nach Kristiansand geht erst am Freitag.

Vier Tage auf die Fähre warten? Eher nicht.

Also schnell das Handy raus, Alternativen suchen – und tatsächlich finden wir eine. Rund 45 Kilometer weiter, in Frederikshavn, bekommen wir noch am selben Abend einen Platz auf der Nachtfähre nach Göteborg.

Damit fahren wir zwar nicht nach Norwegen, sondern erst einmal nach Schweden – aber immerhin in die richtige Richtung. 

Mitten in der Nacht rollen wir in Göteborg von der Fähre.

Unsere erste Nacht in Schweden

Mitten in der Nacht in Göteborg angekommen, ist natürlich kein Campingplatz mehr zu finden.

Also machen wir es uns kurzerhand auf einem IKEA-Parkplatz bequem und verbringen dort unsere erste Nacht in Schweden.

Und wie sich am nächsten Morgen herausstellt, hat unser spontaner Stellplatz sogar einen entscheidenden Vorteil: Das Frühstück bei Ikea ist nur ein paar Schritte entfernt. 

Schwedischer kann eine Norwegenreise wohl kaum beginnen. 

Oslo – Campingplatz gesucht

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Oslo.

Dort angekommen, steuern wir zunächst den Campingplatz an, den wir im Internet gefunden haben. Zumindest glauben wir das.

Vor Ort stellen wir allerdings fest: Hier können wir ganz sicher nicht übernachten. Hinter dem vielversprechenden Namen verbirgt sich ein Familien-Spielcenter – nur das Wort „Camping“ hat uns erfolgreich auf die falsche Fährte gelockt.

Läuft bei uns. 

Also weiter zum nächsten Campingplatz. Diesmal haben wir mehr Glück und ergattern tatsächlich noch ein freies Plätzchen.

Bei unserem ersten Streifzug durch Oslo fällt uns sofort auf, wie modern die Stadt ist – und trotzdem wirkt sie erstaunlich entspannt. Zwischen den großen Gebäuden entdecken wir immer wieder Plätze, an denen Menschen zusammensitzen, reden, essen oder einfach den Tag genießen.

Mal modern gestaltet, mal fast wie ein kleiner Garten.

Und entspannt scheint man hier tatsächlich zu sein. Da wird auch schon mal kurzerhand eine Gehwegplatte angehoben, um ein paar ziemlich coole Skatertricks zu zeigen.

Und das Beste daran: Niemand meckert.

Irgendwie gefällt uns diese entspannte Art – und wir sind gespannt, was Oslo noch so zu bieten hat.

Weiter entlang der Küste

Nach unserem Besuch in Oslo zieht es uns weiter an der Küste entlang.

Einen festen Plan haben wir für die nächsten Tage nicht. Wir schauen einfach, wo es uns gefällt, und suchen uns unterwegs kleine Campingplätze möglichst direkt am Meer.

Genau so hatten wir uns das vorgestellt: ankommen, Womi abstellen und erst einmal schauen, was es rundherum zu entdecken gibt.Wir lassen uns Zeit, machen Spaziergänge entlang der Küste und genießen vor allem die Ruhe.

Nach unserem etwas chaotischen Reisestart fühlt es sich langsam so an, als wären wir wirklich angekommen. 



Jøssingfjord – da müssen wir natürlich abbiegen

Da es an unserem letzten Übernachtungsplatz sonst nicht allzu viel zu entdecken gibt, fahren wir weiter in Richtung Stavanger.

Unterwegs kommen wir am Jøssingfjord vorbei – und plötzlich entdecken wir am Straßenrand eines dieser Schilder, die in Norwegen auf einen besonders sehenswerten Ort hinweisen.

Tja, und wenn da schon ein Schild steht …

… müssen wir natürlich schauen, was es dort zu sehen gibt. 

Also runter von der Straße und einfach mal der Beschilderung folgen.

Mal sehen, wohin sie uns führt.

Helleren – als wäre gerade jemand gegangen

Neugierig geworden, biegen wir ab und landen auf einem kleinen Parkplatz direkt am Ende des Jøssingfjords.

Und dann entdecken wir sie: zwei kleine Häuser, die unter einer riesigen, weit überhängenden Felswand stehen.

Die alten Häuser stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und wurden durch ihre geschützte Lage unter dem Felsen erstaunlich gut erhalten.

Aber viel spannender ist das Gefühl, das dieser Ort vermittelt.

Da hängt noch Wäsche auf der Leine, die Stube ist eingerichtet und irgendwie erwartet man, dass gleich jemand um die Ecke kommt und nach Hause geht. Doch die Häuser sind längst verlassen.

Und dann ist da immer wieder diese Küste

Nach unserem ungeplanten Stopp bei Helleren fahren wir weiter Richtung Stavanger. Und eigentlich ist schon die Fahrt selbst ein Erlebnis.

Die Landschaft wechselt ständig. Mal fahren wir direkt am Wasser entlang, dann wieder zwischen Felsen hindurch oder hinauf auf eine Anhöhe, von der sich plötzlich der Blick über die Küste öffnet.Dazwischen kleine Buchten, einzelne Häuser, Schafe und immer wieder Wasser.

Und genau das macht das Weiterfahren manchmal schwierig.Hinter jeder Kurve könnte schließlich schon wieder ein Fotostopp warten. 

Wir lassen uns treiben, halten an, wenn uns danach ist, und merken langsam: In Norwegen sind es nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, die uns begeistern.

Vielmehr ist es die Landschaft dazwischen.


Stavanger – das war wohl nichts

Langsam haben wir uns an der Küste bis nach Stavanger hochgearbeitet und sind nach den letzten Tagen in der Natur durchaus wieder bereit für ein bisschen Stadt.

Wir ergattern sogar einen Parkplatz und wollen gerade losziehen, da zieht sich der Himmel innerhalb kürzester Zeit komplett zu.

Also gibt es erst einmal ein schnelles Eis – man muss schließlich Prioritäten setzen – und wir schauen uns noch den wirklich genialen Spielplatz in der Nähe an.

Hier wurden ausrangierte Teile aus der Ölindustrie mit Zubehör aus dem Fischfang kombiniert, dazwischen jede Menge Graffiti – und daraus ist ein richtig cooler Ort zum Klettern, Toben und Entdecken entstanden.

Da möchte man fast noch einmal Kind sein. 

Für uns bleibt allerdings nicht viel Zeit zum Staunen, denn das Wetter wird immer ungemütlicher.

Weiter zum Preikestolen

Eine weitere Stadtbesichtigung fällt leider buchstäblich ins Wasser. Inzwischen regnet es so ordentlich, dass wir ziemlich froh sind, wieder trocken im Womi zu sitzen.

Also verabschieden wir uns von Stavanger und fahren weiter in Richtung Preikestolen.

Dort wartet schließlich eines der Ziele auf uns, auf das wir uns besonders freuen: die Wanderung hinauf zu dem berühmten Felsen hoch über dem Lysefjord.

Dass wir diese Idee nicht ganz für uns allein haben, ist uns natürlich klar. 


Preikestolen – wir und ganz viele andere

Hunderte Menschen? Tausende? Keine Ahnung. Es waren jedenfalls sehr, sehr viele.

Und manchmal staunen wir nicht schlecht, wer sich alles auf diesen Weg macht. Menschen mit schlechtem oder teilweise kaum geeignetem Schuhwerk, Familien mit kleinen Kindern und Babys und sogar eine Frau mit Orthese.

Bei manchen Begegnungen wird uns ehrlich gesagt ein bisschen mulmig.

Denn auch wenn der Weg zum Preikestolen gut besucht ist, ein Spaziergang ist er nicht. Es geht ordentlich bergauf, über Felsen und steinige Passagen – anstrengend, aber landschaftlich wirklich toll.

Und dann stehen wir irgendwann tatsächlich oben.

Vor uns der Lysefjord und diese berühmte Felsplattform, die rund 600 Meter nahezu senkrecht in die Tiefe abfällt.

Und nein: Wir stellen uns nicht an die Kante.

Auf gar keinen Fall. 

Meine Höhenangst sorgt schließlich schon dafür, dass ich mich auf einer Haushaltsleiter nicht besonders wohlfühle. Da muss ich ihr nicht auch noch 600 Meter freien Fall anbieten.

Die Aussicht ist auch mit etwas Sicherheitsabstand ziemlich beeindruckend.


Sonnenuntergang? Wir nehmen das Bett. 

Auf dem Rückweg wundere ich mich, wie viele junge Leute uns am späten Nachmittag noch entgegenkommen und den Aufstieg jetzt erst beginnen.

Bis wir ihre Zelte sehen.Dann wird klar: Sie bleiben oben und warten auf den Sonnenuntergang oder gleich auf den nächsten Sonnenaufgang.Was für eine wunderschöne Idee!

Ich allerdings freue mich gerade mindestens genauso sehr auf mein bequemes Bett im Womi. Denn mir ist jetzt schon klar: Morgen werde ich meine Beine ziemlich deutlich spüren. Für die Nacht suchen wir uns irgendwo unterwegs ein ruhiges Plätzchen, fallen ins Bett und schlafen wie die Murmeltiere. Als wir wieder wach werden, ist es tatsächlich schon fast Mittag.

So viel zum Thema „früh weiterfahren“.  Aber jetzt wartet etwas auf uns, auf das ich mich ebenfalls schon die ganze Zeit freue:

Die Hardangervidda.

Diese riesige, raue Hochebene wollte ich unbedingt sehen. Und endlich sind wir mittendrin.

Hardangervidda

Bergen – schon wieder Regen

Zwei Tage Hardangervidda sind für mich eigentlich viel zu kurz. Ich hätte hier problemlos noch länger bleiben und wandern können.

Aber Bergen wartet – und damit offenbar auch wieder der Regen. 

Mit norwegischen Städten haben wir auf dieser Reise bisher wirklich nicht das allergrößte Wetterglück.

Wir lassen uns trotzdem nicht ganz abschrecken, essen Fisch auf dem Markt und laufen durch Bergen. Doch im strömenden Regen verlieren selbst die sonst so farbenfrohen Holzhäuser ein bisschen von ihrem Charme. Alles verschwimmt irgendwie im Grau.

Ein besonderer Moment ist für uns trotzdem die Einfahrt der Alexander von Humboldt, die wir miterleben können.

Aber irgendwann reicht es dann auch mit nassen Jacken und grauem Himmel. Also zurück ins Womi und weiter.

Kurven, Wasserfälle und immer wieder anhalten

Wir lassen Bergen und den Regen hinter uns und fahren weiter – hinein in eine Landschaft, bei der wir eigentlich ständig irgendwo anhalten könnten.

Überall rauscht und stürzt Wasser die Berge hinunter. Fossen, wie die Wasserfälle hier heißen, begleiten uns immer wieder entlang der Strecke.

Dann wird es kurvig. Sehr kurvig.  Über spektakuläre Serpentinen geht es weiter durch die Berge, und irgendwann stehen wir am Aurland Lookout. Der Blick von hier oben über den Fjord ist einfach unglaublich.

Und genau da wird wieder klar, warum unsere Tagesetappen in Norwegen irgendwie nie so funktionieren wie geplant:

Man kommt einfach nicht vorwärts, wenn hinter jeder Kurve schon wieder der nächste Wow-Moment wartet.

Aber wir haben ja Zeit – zumindest ein bisschen.  Also weiter Richtung Flåm.

Flåm – wenn plötzlich Ruhe einkehrt

In Flåm, ganz am Ende des Aurlandsfjords, finden wir endlich wieder die Sonne – und einen Platz auf dem Campingplatz.

Der Ort selbst ist winzig. Die Touristeninformation dagegen gefühlt riesig. 

Kein Wunder, denn hier legen die großen Kreuzfahrtschiffe an. Tagsüber ist entsprechend ordentlich was los. Doch gegen Abend passiert etwas Erstaunliches: Die Kreuzfahrtgäste verschwinden zurück auf ihren Schiffen – schließlich wartet dort das Abendessen – und plötzlich wird es im Ort unglaublich ruhig.

Diesen entspannten Abend genießen wir sehr.

Am nächsten Morgen stürzen wir uns dann selbst ins Getümmel und fahren mit der Flåmbahn.

Unterwegs halten wir am Kjosfossen, einem mächtigen Wasserfall. Während der Fahrt hören wir die Geschichte von einer geheimnisvollen Frau, die hier leben und – ähnlich wie unsere Loreley – den Männern den Kopf verdrehen soll.

Und kaum sind wir ausgestiegen, erscheint sie tatsächlich. Zwischen Felsen, Wasser und Gischt beginnt eine Frau zu tanzen. Natürlich wissen wir, dass das Ganze zur Inszenierung gehört.

Aber für einen kurzen Moment darf Norwegen ruhig ein bisschen märchenhaft sein. 

Fjordsafari – Augen auf!

Am nächsten Morgen geht es nach dem Frühstück wieder hinunter zum Hafen. Diesmal wollen wir den Fjord nicht vom Zug oder vom Aussichtspunkt erleben, sondern vom Wasser aus.

Es geht auf Fjordsafari durch den wunderschönen Aurlandsfjord.

Unterwegs stoppen wir immer wieder und halten Ausschau nach Seehunden, Schweinswalen und Adlern. Unser Guide erzählt währenddessen vom Leben am Fjord, von der Tierwelt und der Geschichte der Region – aber auch von alten Märchen und Legenden.

Und tatsächlich haben wir Glück: Ein paar Seehunde und einen Adler bekommen wir zu sehen. Nur die Schweinswale haben offenbar heute keine Lust auf Touristen. 

Macht nichts. Allein die Fahrt durch den Fjord ist schon ein Erlebnis.


Borgund – ein letzter Stopp in Norwegen

Nach drei Tagen in Flåm heißt es wieder Abschied nehmen. Wir fahren weiter Richtung Borgund, denn eine der berühmten norwegischen Stabkirchen möchten wir uns unbedingt noch ansehen.

Natürlich kommen wir später an als geplant.

Mit etwas Glück bleiben uns noch gut 30 Minuten, bevor geschlossen wird. Also keine Zeit verlieren – und schon beim ersten Blick auf die dunkle Holzkirche sind wir beeindruckt.

Dieses ungewöhnliche Bauwerk mit seinen vielen Holzelementen, den geschnitzten Details und den übereinanderliegenden Dächern wirkt fast ein bisschen wie aus einer anderen Zeit.

Wir drehen noch eine Runde, schauen, staunen und wissen gleichzeitig:

Borgund ist tatsächlich unser letzter Stopp in Norwegen.